Evaluation Aide Sociale Luxembourg


Zielsetzung

Durch das Inkrafttreten des Gesetzes zur Organisation der Sozialhilfe („Loi du 18 décembre 2009 organisant l’aide sociale“) am 1.1.2010, das die Gesetzgebung von 1846 bzw. 1897 reformierte, wurde eine Jahrhundertreform umgesetzt. Die Umsetzung des Gesetzes hat vielfältige strukturelle und inhaltliche Neuerungen zur Folge und bringt damit Herausforderungen für die Sozialämter vor Ort und auch die beteiligten Ministerien und Gemeinden mit sich.

Helmut Willems (Leitung) | Robin Samuel | Alice Neusiedler | Anette Schumacher | Sara Steinmetz

Universität Luxemburg | Ministère de la Famille, de l’Intégration et à la Grande Région (MFI)


2016-2018

Gegenstand der Untersuchung ist die Analyse der Umsetzung des Gesetzes vom 18. Dezember 2009 zur „aide sociale“ in Luxemburg. Zentrales Ziel ist die Evaluation der Funktionsweise und Umsetzung des Gesetzes. Dabei steht die Frage nach der Organisationsweise, der Effizienz und Wirkung der „aide sociale“ im Mittelpunkt der Betrachtung.

In der Untersuchung werden die Perspektiven mehrerer beteiligter Akteure und deren Rolle bei der Umsetzung des Gesetzes in den Blick genommen. Dazu zählen (1) die Ministerien, (2) die Gemeinden und (3) die Träger/Verwaltungsräte der Sozialämter. Ein Schwerpunkt liegt hier vor allem auf der Analyse der Funktionsweise der Sozialämter (u. a. die Prozesse der Antragstellung, die Auswahlkriterien für die Gewährung von Hilfen).

Neben dieser institutionellen Perspektive werden auch die Sichtweisen der Antragsteller bzw. Nutzer der Sozialhilfe berücksichtigt. Damit wird vor allem der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen die in Anspruch genommenen Hilfen auf die Nutzer und deren Lebenssituation haben.

Die Studie soll eine aktuelle und umfassende Bestandsaufnahme zur Umsetzung des Gesetzes liefern und die zentralen Herausforderungen für die beteiligten Institutionen (Ministerien, Gemeinden, Träger/Verwaltungsräte der Sozialämter) aufzeigen. Ausgehend davon wird die Studie auch konkrete Handlungsempfehlungen formulieren.

Datengrundlage und Methodik

Um der oben definierten komplexen Aufgabenstellung gerecht zu werden, ist diese Studie als mixed-methods Design konzipiert. Entsprechend werden die der Studie zugrunde gelegten Daten mittels verschiedener Methoden erhoben.

  • Die Dokumentenanalyse zu Beginn der Studie dient vor allem der Vorbereitung sowie der inhaltlichen Konzeption der qualitativen Interviews und der standardisierten Befragung (z. B. Gesetzestexte, Aktivitätsberichte, Publikationen).
  • Experteninterviews mit Vertretern der beteiligten Institutionen (Ministerien, Gemeinden, Träger/Verwaltungsräte der Sozialämter, „assistants sociaux“) haben zum Ziel, das Themenfeld zu explorieren und die Umsetzung des Gesetzes aus der jeweiligen institutionellen Perspektive zu rekonstruieren (kontrastierende Darstellung und Analyse).
  • Die standardisierte Befragung (a) der Mitarbeiter der Sozialämter sowie (b) der Antragsteller und Nutzer mit Hilfe eines Fragebogens hat zum Ziel, Einschätzungen und Bewertungen zu erheben und statistisch auszuwerten.
  • Leitfadengestützte Einzelinterviews mit Antragstellern bzw. Klienten mit dem Ziel der Erhebung von spezifischen Sichtweisen, Erfahrungen und Bewertungen.
  • Gruppendiskussionen mit Experten mit dem Ziel der Qualitätssicherung und Validierung der Ergebnisse.

Die Experteninterviews sowie die leitfadengestützten Interviews werden aufgezeichnet und anschließend transkribiert. Die Auswertung der Interviews erfolgt mit Hilfe eines Programmes zur computergestützten qualitativen Datenanalyse (atlas.ti).

Die standardisierte Befragung erfolgt mittels schriftlicher Befragung vor Ort oder Online-Befragung. Nach der Dateneingabe und Datenaufbereitung werden die Daten mit Hilfe eines Programmes zur statistischen Datenanalyse (z. B. SPSS) ausgewertet.

Die Ergebnisse sowohl der Interviews als auch der standardisierten Befragung werden inhaltlich in Bezug zu den Ergebnissen der quantitativen Studie der IGSS gesetzt.

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