Aktuelles


01/09/2017 – Herbsttagung der DGS-Sektion „Jugendsoziologie“ an der UL

Die Jugendforschung der Universität Luxemburg freut sich, in diesem Jahr die Herbsttagung der DGS-Sektion „Jugendsoziologie“ auszurichten.

Das Tagung findet vom 27. – 29.9. auf dem Campus Belval der UL statt.

 

 

 

 

Thematischer Schwerpunkt:

Entgrenzung der Jugend und Verjugendlichung der Gesellschaft – Zur Notwendigkeit einer ‚Neuvermessung‘ jugendtheoretischer Konzeptionen

Es gilt als unbestritten, dass sich Jugend als eigenständige Lebensphase und damit als eigener Teil der generationalen Ordnung der Gesellschaft mit der Moderne herauskristallisiert hat. Jugend wurde in den klassischen jugendtheoretischen Überlegungen der 1950er Jahre als Übergang von der Kindheit in die Erwachsenheit begriffen, den Heranwachsende vor dem Hintergrund des Aufbrechens traditionaler Lebensverhältnisse und der Scholarisierung in Gruppen Gleichaltriger (konflikthaft) bewältigten. Diese Sichtweise auf Jugend als einer für alle mehr oder weniger einheitlichen Statuspassage im Leben hat sich seit den 1980er Jahren vor dem Hintergrund der Verlängerung von Bildungs- und Ausbildungszeiten und durch gesellschaftliche Wandlungsprozesse, die die Einmündung von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt nicht mehr selbstverständlich erscheinen ließen, verändert. Die Entstandardisierungs- und Entstrukturierungsprozesse der Jugendphase sind seitdem empirisch vielfach beschrieben und analysiert worden. Zugleich ist – z.B. in Bezug auf die Einmündung in den Beruf – empirisch auch längst gezeigt worden, dass sich ehemals der Jugend vorbehaltene Übergänge und ‚Entwicklungsaufgaben‘ nicht mehr nur in der adoleszenten und postadoleszenten Lebensphase stellen, sondern noch immer bzw. wieder in den sich der ‚eigentlichen‘ Jugend anschließenden Lebensdekaden.
Diesen empirischen Befunden steht ein Theoretisierungsdefizit gegenüber: Denn einerseits stellt sich die Frage, ob Jugend als theoretisches Konzept inzwischen eher lebenslange Prozesse des „doing transitions“ beschreibt, die längst nicht mehr nur auf adoleszente und postadoleszente Lebensalter bezogen sind. Hierfür spricht bspw., dass ehemals jugendkulturelle Ausdrucksformen längst zu Symbolen eines verjugendlichen Lifestyles von Erwachsenen wie Kindern geworden ist; Jugend(-lichkeit) also als kulturelles Leitbild vielleicht eher alle Lebensalter adressiert, was sich – bisweilen mit kulturkritischem Unterton – im Schlagwort der Juvenilisierung der Gesellschaft niederschlägt. Andererseits ließe sich dennoch fragen, ob es spezifische, für das Jugendalter grundlegende und insofern generelle (Übergangs-)Erfahrungen gibt, die wiederum bei aller Unterschiedlichkeit jugendlicher Verläufe und bei aller Ähnlichkeit zu Übergängen in anderen Lebensaltern und -phasen nur der Jugend zu eigen sind. Hier stellt sich die Aufgabe der theoretischen Kommentierung und (Neu-)Bestimmung dessen, was soziologisch und erziehungswissenschaftlich als Jugend gedacht wird bzw. werden kann.

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