Lernprozesse und Lernerfahrungen in Jugendprojekten. Eine Studie zu Aspekten non-formaler Bildung in den Projekten von „Jugend in Aktion“ in Luxemburg


Zielsetzung

Die Studie ist Teil des Evaluationsprozesses im Rahmen des RAY-Netzwerks. Im Fokus steht ein wissenschaftlicher Blick auf non-formale Lern- und Bildungsprozesse in den luxemburgischen Projekten des „Jugend in Aktion„-Programms der Europäischen Union. Besondere Berücksichtigung findet dabei die subjektive Perspektive der Akteure.


Helmut Willems (Leitung) | Christiane Meyers | Daniel Weis


Universität Luxemburg | Ministère de l’Éducation nationale, de l’Enfance et de la Jeunesse in Luxemburg (MENJE)


2012-2013

Vorgehensweise und Methode

Die Studie gliedert sich in einen quantitativen und qualitativen Teil. Die quantitative Befragung erfolgte mittels einer Online-Umfrage, die in ihrer Ausgestaltung der regelmäßigen Befragung der beteiligten Projektteilnehmer gleicht. Insgesamt wurden in den luxemburgischen Projekten 136 Projekteilnehmer und 77 Projektleiter in zwei aufeinanderfolgenden Umfragen befragt. In der qualitativen Erhebung wurden teilstandardisierte Interviews mit 17 Projektteilnehmern und elf Projektleitern aus 9 Projekten durchgeführt. Das Hauptinteresse galt den Fragen, was und wie im Rahmen der Projekte gelernt wurde.

Ergebnisse und Anregungen für Praxis, Politik und Forschung


Beitrag zum Erwerb unterschiedlicher Kompetenzen und zur persönlichen Entwicklung

Die Ergebnisse der Erhebungen deuten darauf hin, dass die „Jugend in Aktion“-Projekte auf vielfältige Weise zur Kompetenzentwicklung der Akteure beitragen. Dies gilt zum einen für die persönliche Weiterentwicklung, zum anderen aber auch für die Entwicklung bzw. den Ausbau von sozialen, interkulturellen, zivilgesellschaftlichen und politischen Kompetenzen. Die Akteure selbst gehen davon aus, dass dies insbesondere für den beruflichen Kontext von großem Nutzen ist. Es lässt sich festhalten, dass die Projekterfahrungen die individuellen Entwicklungen, Kompetenzen und Selbstkonzepte der Teilnehmer fördern und damit die Chance auf eine erfolgreiche berufliche und zivilgesellschaftliche Partizipation erhöhen.

Unterschiedliche teilnehmerorientierte Methoden: Eine Stärke der Projekte

Die Analyse macht deutlich, dass es nicht eine erfolgreiche Methode für den Kompetenzerwerb und das Lernen sowohl von Projektteilnehmern als auch -leitern gibt. Zum Ziel führt vor allem eine Kombination unterschiedlicher methodischer und didaktischer Herangehensweisen, die in den JiA-Projekten in hohem Maße gegeben ist. Als besonders wichtig erscheint es, die Akteure in den Projekten als Experten ernst zu nehmen und möglichst umfassend einzubeziehen. Die so erfahrene Selbstwirksamkeit begünstigt den Lernerfolg. Hohe Bedeutung muss auch dem Peer-Learning und den gruppendynamischen Effekten beigemessen werden. Gerade Projektleiter sammeln Erfahrungen, die ihnen in beruflichen Kontexten von Nutzen sind: So wirken sich die Projektkonzeption und die Arbeit in Netzwerken positiv aus.
Insgesamt, so zeigen die Ergebnisse, bieten das non-formale und auch das informelle Lernen der JiA-Projekte große Chancen. Sie stellen effektive Lerngelegenheiten dar und fördern die Ausbildung von Kompetenzen, die in anderen Kontexten weniger stark im Fokus stehen. Die JiA-Projekte können somit als wertvolle und wichtige Ergänzung zum schulischen, beruflichen und zum Alltagslernen der Akteure gesehen werden.

Praxis

Die Analyse zeigt unterschiedliche Gelingensfaktoren, die von zukünftigen JiA-Projekten beachtet werden können. Dazu gehören etwa die umfassenden Partizipationsmöglichkeiten für Teilnehmer und die Förderung der Eigenverantwortung. Die Teilnehmer aktiv in Vorbereitung und Umsetzung einzubinden ist somit in hohem Maße förderlich.
Zudem wäre es wünschenswert, jene Zielgruppen zu erreichen, die bislang nur wenig von „Jugend in Aktion“ angesprochen werden. Die betrifft vor allem die sogenannten benachteiligten Jugendlichen, die aufgrund ihrer bildungsbezogenen, sozialen und kulturellen Herkunft über vergleichsweise wenig Chancen verfügen. Hier sollte nach Möglichkeiten gesucht werden, die Partizipation dieser jungen Menschen zu fördern. Auch zeigt sich, dass männliche Jugendliche bislang unterrepräsentiert sind. Auch hier sollte versucht werden, mehr Interesse für eine Teilnahme zu wecken.

Forschung

Die Studie hat non-formale und informelle Lernprozesse und -effekte auf der Basis von subjektiven Einschätzungen der Akteure untersucht. Zukünftige Forschungen sollten darüber hinaus versuchen, Effekte und Bedingungsfaktoren non-formalen Lernens noch präziser zu untersuchen. Zu denken wäre hier an einen Vorher-Nachher-Vergleich sowie den Einbezug einer Kontrollgruppe von jungen Menschen, die nicht an JiA-Projekten teilgenommen haben.
Weiterhin wäre eine Studie sinnvoll, die sich gezielt mit jungen Menschen mit geringen Chancen und deren Lernen bei einer Projektteilnahme beschäftigt. Inbesondere wäre zu berücksichtigen, die Hemmschwelle für eine Beteiligung an einer Befragung niedriger zu legen als in den bislang durchgeführten Online-Erhebungen, die möglicherweise schon aufgrund ihren Umfangs und der Formulierung bestimmte Zielgruppen vom Ausfüllen abgehalten haben.

Politik

Das Programm „Jugend in Aktion“ erfreut sich bei den Akteuren großer Beliebtheit und stößt auf hohe Zustimmung.  Es trägt zur individuellen Weiterentwicklung bei und ermöglicht Erfahrungen, die viele Teilnehmer ansonsten nicht oder nicht in dem Maße machen können. Zahlreiche Teilnehmer zeigen sich in den Interviews dankbar, dass  ihr Projekt so gut unterstützt wurde. Übereinstimmend wird daher der Wunsch geäußert, das Programm in dieser oder ähnlicher Form auch in Zukunft fortzuführen.

Publikationen

 Lernprozesse und Lernerfahrungen in Jugendprojekten. Eine Studie zu Aspekten non-formaler Bildung in den Projekten „Jugend in Aktion“ in Luxemburg.

Weis, Daniel | Meyers, Christiane | Willems, Helmut (Projektleitung)

INSIDE Research Reports – Research domain: Generations and Development across the Life Span

Walferdange 2013

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