© Caroline Residori

Aus dem Arbeitsalltag einer Sozialforscherin

Unterwegs mit „Chercheurs à l’école“

Moritz Höpner

Mitte März besuchte unsere Mitarbeiterin Caroline Residori eine Oberstufenklasse des Lycée Technique in Lallange. Im Rahmen des Programms Chercheurs à l’école erzählte sie den Jugendlichen zwischen 17 und 21 Jahren viel Neues über den Arbeitsalltag einer Sozialforscherin. Genau wie ihre Kollegin Céline Dujardin, die das Athénée de Luxembourg besuchte, gestaltete sie im Rahmen dieses FNR-Projekts einen interessanten Orientierungsnachmittag. „Der Alltag von Forschenden ist viel mehr als stundenlanges Lesen und konzentriertes Pipettieren im Labor“, betont Caroline. „In jeder Forschungsdisziplin lohnt es sich genau hinzuschauen“, ergänzt Céline.

Chercheurs à l’école soll genau bei diesem gängigen Bild ansetzen, das Jugendliche mit Forschenden verknüpfen: weiße Kittel und nerdige Gespräche à la Big Bang Theory. Dass Sozialforschung nachvollziehbaren Methoden folgt, entdeckten die Jugendlichen schnell: „Einleitung, Forschungsfrage, Konklusion – so schreiben wir das ja auch in unseren Hausarbeiten!“, staunten die Schülerinnen und Schüler des Oberstufenkurses Sozialwissenschaften, als Caroline ihnen die Methodologie der YAC+ Studie vorstellte. Die jüngst veröffentlichten, vorläufigen Ergebnisse der Studie zeichnen ein Bild davon wie Jugendliche in Luxemburg mit den Einschränkungen der COVID19-Pandemie umgehen. Welche Antworten die Sozialwissenschaften auf die drängenden Fragen der Pandemie gibt, wollten auch die Schülerinnen und Schüler des Athenée wissen.

Wie bildet Sozialforschung Jugend möglichst genau ab?

Text Beeindruckend fanden sie, dass die COVID19-Studie einen Querschnitt ihrer eigenen Generation darstellt. Theoretisch möglich ist, dass manche der Anwesenden durch das Zufallssample der Studie am Ausfüllen der Fragebögen beteiligt gewesen sind. Da diese natürlich anonym ausgefüllt wurden, ist aber kein direkter Rückschluss auf Einzelpersonen möglich.

Für die passionierte Jugendforscherin Caroline ist der Kontakt zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen immer wieder eine wohltuende Abwechslung. Ihre Arbeit besteht darin, mittels kleiner, zufällig ausgewählter Gruppen, generalisierbare, statistische Aussagen über die Gesamtheit der Jugendlichen in Luxemburg zu treffen. Im persönlichen Gespräch mit einzeln Jugendlichen wird ihr dann immer wieder deutlich, dass diese Person „eine einmalige Kombination ist aus vielen der möglichen Lebensumstände hier in Luxemburg“.

Trailer über „Chercheurs à l‘école“ anschauen

Der Arbeitsalltag als Sozialforscherin: kein „Abiturstress hoch zehn“!

Wissenschaftliche Analysen sind harte und oftmals einsame Auswertungstätigkeiten. Als Sozialforscherinnen müssen sich Caroline und Céline aber auch viel mit ihren Teams austauschen: Im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen lassen sich Ideen besser entwickeln und Lösungen so viel leichter finden. Vortragsreisen zu internationalen Konferenzen erlauben es Wissen, made in Luxembourg, im europäischen und globalen Vergleich zu präsentieren.

Wissen „made in Luxembourg“

Die wissenschaftlichen Projekte der Luxemburger Jugendforschung profitieren seit jeher davon, dass alle ihr Knowhow beisteuern. So arbeiten an den luxemburgischen Jugendberichten regelmäßig dutzende Forschende. Interessant fand der Oberstufenkurs, wie in Luxemburg die Wissenschaft auch Politik und Praxis informiert. Dass der Bildungsminister im luxemburgischen Parlament sich ganz konkret auf den Jugendbericht bezieht, fanden die Jugendlichen bemerkenswert.

Berufliche Perspektiven

Am Ende des Unterrichtsbesuch war für viele der Arbeitsalltag einer Sozialforscherin deutlicher geworden. Die Sozialwissenschaften müssen nicht zwingend in die berufliche Forschung führen. Allein in den Etappen „Bachelor“ und „Master“ ergeben sich für Heranwachsende interessante berufliche Perspektiven: Wer zum Beispiel über einen Bachelor in Sozial- und Erziehungswissenschaften verfügt, kann direkt im Bereich der sozialen Arbeit in Luxemburg tätig werden.

Die Schülerinnen und Schüler nahmen mit, dass sich eine Karriere in der Wissenschaft ihre eigenen Herausforderungen und Anziehungspunkte kennt. Eines ist Sozialforschung auf keinen Fall: „Abiturstress hoch zehn“. 

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