Jugendbericht 2010

Der luxemburgische Jugendbericht bietet wissenschaftlicher Befunde über die Lebenssituation Jugendlicher. Er identifiziert Problemstellungen und Handlungsansätze als Informationsgrundlage für Politik, Fachpraxis und Wissenschaft.

Ein disziplinär breit gefächertes Team von Jugendforscherinnen und Jugendforschern entwickelte mit großer Sorgfalt ein differenziertes Forschungsdesign, sichtete, erhob, analysierte und interpretierte umfassende Datenbestände, diskutierte und verschriftlichte Ergebnisse und erstellte den nun vorliegenden Bericht:

  • Sandra Biewers
  • Andreas Heinen
  • Steve Legille
  • Christiane Meyers
  • Paul Millmeister
  • Caroline Residori
  • Conny Roob
  • Prof. Dr. Helmut Willems (Leitung)
 
 

2008 – 2010

 

Universität Luxemburg

Ministère de l’Éducation nationale, de l’Enfance et de la Jeunesse in Luxemburg (MENJE)

Zur Situation der Jugend in Luxemburg 2010

Ziel des ersten Jugendberichts war eine zum ersten Mal unternommene, umfassende Beschreibung der Lebenssituation, der Alltagskontexte und der Problemlagen von in Luxemburg wohnenden Jugendlichen zwischen 12 und 29 Jahren.

Zudem sollten jugendrelevante Themen aufgedeckt werden, zu denen (bislang) keine Daten oder Forschungsarbeiten vorliegen und Vorschläge für die nachhaltige Grundlegung der Jugendberichterstattung gemacht werden.

Die Erstellung des Jugendberichts geht zurück auf Artikel 15 (1) des Jugendgesetzes vom 4. Juli 2008, mit dem in Luxemburg erstmals eine gesetzliche Grundlage für die Erstellung eines nationalen Jugendberichts besteht.

Datengrundlage und Methodik

Zur Erstellung des Jugendberichts wurden keine eigenen Primärdaten erhoben. Vielmehr wurde das bestehende Wissen zur aktuellen Situation Jugendlicher in Luxemburg systematisch zusammengefasst. Als Quellen dienten publizierte Studien, aber auch graue Literatur und amtliche Datenbanken und Statistiken.

Ein zentrales Element war zudem die systematische Einbeziehung von Expertenwissen aus der Praxis der Kinder- und Jugendhilfe, der sozialen Arbeit, der Jugendarbeit, aber auch der Schulen, des Gesundheitswesens, der Jugendverbände, der Jugendberufshilfe, und aus diversen politischen und administrativen Handlungsfeldern. Zu diesem Zweck wurde ein kontinuierlicher Dialog mit dieser Expertengruppe über die gesamte Projektlaufzeit geführt.

Methodisch wurde somit eine Verschränkung von quantitativer Datenaufbereitung und Sekundäranalyse einerseits sowie qualitativen wissenschaftlichen Verfahren (Experteninterviews, Fokusgruppen, Diskursanalyse) andererseits erreicht.

Aufbauend auf diesen Erfahrungen fand im Wintersemester 2011/12 ein internationaler Workshop an der Universität Luxemburg statt, der sich den Konzepten und Methoden der Jugendberichterstattung widmete. Die Ergebnisse des Workshops wurden in Buchform veröffentlicht.

Transition: Trends und Einflussfaktoren

Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten wurden nach verschiedenen Themenbereichen gegliedert.

Demographie

Wie in vielen anderen europäischen Ländern wächst der Anteil der älteren Bevölkerung, während der Anteil der Jüngeren abnimmt. Nahezu die Hälfte der jüngeren Generation Luxemburgs besteht aus Menschen, die (noch) nicht die luxemburgische Nationalität besitzen und andere kulturelle und sprachliche Traditionen mitbringen.

Bildung

Bildung findet zunehmend in außerschulischen Feldern wie der Jugendarbeit, den Betreuungseinrichtungen, der beruflichen Weiterbildung oder informellen Lernwelten statt. Zugleich dehnt sich der Bildungsprozess auf die gesamte Lebensspanne aus („Life Long Learning“). Bildungsbeteiligung und Bildungserfolg hängen stark von der sozialen Herkunft der Kinder und Jugendlichen ab. Männliche Jugendliche und sozial schwächer gestellte Jugendliche (oft auch aus Migrantenfamilien) gehören besonders häufig zu den Bildungsverlieren. Diese Defizite werden durch außerschulische Bildungsangebote nicht kompensiert.

Übergang zur Beschäftigung

Die Übergänge vom Bildungssystem zum Arbeitsmarkt gestalten sich individueller als in der Vergangenheit und konfrontieren eine zunehmende Zahl von Jugendlichen mit Risiken, Unsicherheiten und Problemen. Phasen der Arbeitslosigkeit bzw. von Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen nehmen zu. Die größten Schwierigkeiten erfahren Jugendliche ohne schulischen Abschluss oder mit geringer Qualifikation. Eine weitere Rolle spielen sozioökonomische Ressourcen und die Nationalität der Herkunftsfamilie. Sozialer Status und gesellschaftliche Position der Eltern werden in Teilen von der jüngeren Generation reproduziert.

Integration

Für viele Migrantengruppen bestehen nach wie vor Integrationsdefizite. Zwar scheinen Maßnahmen der Jugendarbeit Wirkung zu entfalten, jedoch herrschen deutliche Segmentierungstendenzen im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt. Jugendliche ohne luxemburgische Staatsbürgerschaft sind zudem in ihren Möglichkeiten politischer Teilhabe deutlich eingeschränkt und somit nicht immer in die politische Tradition und demokratische Kultur des Landes eingebunden.

Armut

Am meisten von Armut betroffen sind alleinerziehende Eltern, Familien mit Kindern, Personen mit nichtluxemburgischer Nationalität sowie Personen, die nicht voll erwerbstätig sind, und Geringqualifizierte. Da Kinder aus armen Familien schlechtere Chancen im Bildungswesen haben, besteht die erhöhte Gefahr, dass sie die Situation ihrer Eltern reproduzieren.

Gesundheit und Wohlbefinden

Für die Jugendlichen in Luxemburg kann ein guter körperlicher Gesundheitszustand im Vergleich zu anderen Altersgruppen konstatiert werden. Dennoch kann wie in anderen Ländern eine Zunahme von chronischen und psychosomatischen Krankheiten festgestellt werden. Die Verhaltensweisen der Jugendlichen weisen darauf hin, dass der Erhalt der Gesundheit für die Jugendlichen selbst keine große Rolle spielt. Die subjektive Einschätzung der Gesundheit fällt weitgehend positiv aus.

Partizipation

Die Beteiligung an der Gestaltung der Demokratie, der zivilen Gesellschaft und der unmittelbaren Lebenswelt fällt stärker aus bei Jugendlichen mit höherem Bildungsabschluss. Vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund sind dagegen mit Schwierigkeiten und Hürden konfrontiert.

Alle fünf Jahre ein Jugendbericht...

Der Jugendbericht 2010 ist der erste Bericht, der sich mit der Situation der Jugend in Luxemburg beschäftigt. Während im folgenden Bericht 2015 vor allem jugendliche Transitionsprozesse untersucht wurden, widmete sich der dritte Bericht 2020 besonders dem Wohlbefinden und der Gesundheit Jugendlicher.