Prof. Dr. Robin Samuel ist Ordentlicher Professor für Jugendforschung und Leiter des Zentrums für Kindheits- und Jugendforschung (CCY) an der Universität Luxemburg.
Jugendbericht 2025
Nationaler Bericht zur Situation der Jugend in Luxemburg: Leben und Aufwachsen in Online- und Offline-Welten
Für die meisten Jugendliche und junge Erwachsene ist ein Leben ohne Smartphone, soziale Medien oder digitale Kommunikations- und Lernangebote heute kaum vorstellbar. Bereits seit früher Kindheit sind digitale Technologien Teil ihres Alltags. Der Youth Survey Luxembourg (YSL) zeigt, dass über 95 % der 12- bis 29-Jährigen in Luxemburg ein eigenes Smartphone besitzen – und damit nahezu jederzeit online sein können. Vor diesem Hintergrund ist das Digitale längst keine eigenständige „neue“ Lebenswelt mehr. Vielmehr bildet es eine Normalität, die eng mit analogen Lebensbereichen verwoben ist. Junge Menschen bewegen sich selbstverständlich zwischen Online- und Offline-Kontexten: Sie pflegen Freundschaften, kommunizieren mit anderen Familienmitgliedern, suchen Informationen und gestalten ihre Freizeit sowohl digital als auch analog.
Leben und Aufwachsen in einer digital durchdrungenen Welt
Mit diesen und weiteren Fragen setzt sich der Jugendbericht 2025 auseinander:
- Was bedeutet diese Entwicklung konkret für das Aufwachsen junger Menschen?
- Wie nutzen Jugendliche digitale Medien tatsächlich – und wofür?
- Wie verändern sich Sozialisationsbedingungen, Rollenbilder und Generationsverhältnisse im Zuge der Digitalisierung?
- Und wo entstehen neue soziale Ungleichheiten oder verstärken sich bestehende?

Zu den Verweisen
Womit beschäftigt sich der Jugendbericht 2025?
Der Jugendbericht 2025 präsentiert auf der Grundlage umfangreicher quantitativer und qualitativer Forschungsergebnisse ein differenziertes Bild der Lebenssituation junger Menschen in Luxemburg. Im Zentrum stehen die subjektiven Perspektiven von Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf ihre analogen und digitalen Lebenswelten. Der Bericht richtet den Blick insbesondere auf drei miteinander verknüpfte Ebenen:
- Gesellschaftliche Rahmenbedingungen des Aufwachsens in Luxemburg: Der Jugendbericht nimmt die politischen, sozialen und institutionellen Rahmenbedingungen des Aufwachsens junger Menschen in Luxemburg insgesamt in den Blick und vertieft, wie diese Kontexte digitale Nutzungsweisen und Kompetenzaneignungen prägen, ermöglichen oder begrenzen.
- Einstellungen, Werte und Alltagspraktiken junger Menschen: Im Wechselspiel mit diesen Rahmenbedingungen bilden junge Menschen Einstellungen, Werte und Verhaltensweisen aus. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Frage, wie digitale Medien in diese Alltagspraktiken eingebettet sind, wie sich Jugendliche digitale Potenziale aneignen und regulieren und wie sie mit Chancen und Risiken im Zusammenspiel von digitaler und analoger Welt umgehen.
- Ungleich verteilte Ressourcen und Teilhabechancen: Dabei zeigt sich, dass ökonomische, soziale und kulturelle Ressourcen ungleich verteilt sind. Diese Ungleichheiten ziehen sich auch in den digitalen Raum hinein und beeinflussen den Zugang zu digitalen Angeboten, deren Nutzung sowie die Möglichkeit, von digitalen Potenzialen zu profitieren.
Vor diesem Hintergrund ist der Jugendbericht 2025 in zwei Teile gegliedert, die unterschiedliche analytische Zugänge miteinander verbinden.
- Teil 1: Monitoring der Lebenssituationen junger Menschen
Dieser Teil bietet einen umfassenden Überblick über zentrale Lebensbereiche junger Menschen in Luxemburg. Er behandelt unter anderem Einstellungen zu Politik und Gesellschaft, das soziale Umfeld, Gesundheit und Wohlbefinden, den Umgang mit Alkohol und Cannabis sowie Freizeitaktivitäten. Von Interesse ist auch, inwiefern digitale Freizeitpraktiken die „klassische“, analoge Freizeitgestaltung ergänzen, erweitern und verändern. - Teil 2: Digitalität als Querschnittsthema jugendlicher Lebenswelten
Der zweite Teil rückt Digitalität explizit in den Mittelpunkt. Er beschreibt, wie digitale Technologien Bildung, Arbeit, Freizeit, Kultur, Familie, Freundschaften und Partnerschaften durchdringen und wie sich dadurch neue Formen des Denkens, Handelns und Zusammenlebens entwickeln. Digitale Medien und Kompetenzen werden dabei als zentrale Ressourcen gesellschaftlicher Kommunikation, Information und Teilhabe verstanden.
Datengrundlage und Methodik
Dem Jugendbericht 2025 liegt ein multimethodisches Vorgehen zugrunde, welches verschiedene Datenquellen und Methoden miteinander kombiniert und trianguliert.
- Youth Survey Luxembourg (YSL): Der YSL ist eine vom CCY durchgeführte quantitative Online-Erhebung. Zwei repräsentative, mehrsprachige Befragungen (2019 und 2024) liefern grundlegende Erkenntnisse zu Ressourcen, Einstellungen und Verhaltensweisen junger Menschen in Luxemburg.
- Étude qualitative sur la jeunesse (EQJ): Diese qualitative Studie kombiniert explorative Interviews mit einer digitalen Tagebuchmethode. Ziel ist es, vertiefte Einblicke in den digitalen Alltag Jugendlicher, ihre Routinen, Nutzungsmuster und subjektiven Bedeutungszuschreibungen zu gewinnen.
- Étude qualitative sur les jeunes et leurs parents (EQJP): Diese Studie untersucht familiäre Interaktionen im digitalen Zeitalter. Mithilfe dyadischer Interviews, Fragebögen und Beobachtungen wird analysiert, wie digitale Technologien für Kommunikation, Organisation und Aushandlung von Regeln in Familien genutzt werden.
- Sekundärdatenanalyse: Ergänzend werden bestehende statistische Daten von STATEC und Eurostat ausgewertet. Sie ermöglichen Zeitvergleiche sowie internationale Einordnungen im Vergleich zu Belgien, Deutschland und Frankreich.
Wer steht hinter dem Jugendbericht 2025?
Der Jugendbericht 2025 wurde von einem multidisziplinären Forschungsteam des Centre for Childhood and Youth Research (CCY) an der Universität Luxemburg unter der Leitung von Prof. Dr. Robin Samuel erarbeitet. Der Forschungszeitraum erstreckte sich von 2023 bis 2025; die Ergebnisse werden der Öffentlichkeit ab 09. März 2026 vorgestellt in verschiedenen Veranstaltungsformaten vorgestellt. Den Jugendbericht 2025 verfassten:
- Dr. Sandra Biewers Grimm,
- Dr. Hamid Bulut,
- Charlotte Haußmann,
- Moritz Höpner,
- Dr. Hannes Käckmeister,
- Laurent Langehegermann,
- Christiane Meyers,
- Dr. Caroline Residori,
- Dr. Guido Salza,
- Prof. Dr. Robin Samuel,
- Gilles Scheifer
- Dr. Anette Schumacher.
Kooperationspartnerinnen sind die Universität Luxemburg und das Ministère de l’Éducation nationale, de l’Enfance et de la Jeunesse (MENJE).
Dem Jugendbericht 2025 standen drei Gremien aus Sachverständigen und Fachleuten zur Seite, die den Forschungsprozess beratend begleitet haben.
- Comité de pilotage: Lenkungsausschuss aus Sachverständigen im Ministerium für Bildung, Kindheit und Jugend (MENJE) und in der Universität Luxemburg.
- Wissenschaftlicher Beirat: Fachleute aus der Wissenschaft (international und national)
- Concertation continue: Arbeitsgremium auf Sachverständigen sowie Fachleuten aus dem Praxisfeld Digitalität (Luxemburg).
Wie und warum entsteht ein Jugendbericht?
Die Erstellung des Jugendberichts leitet sich ab aus Artikel 15 (1) des Jugendgesetzes vom 4. Juli 2008: Dort heißt es, dass die*der entsprechende Minister*in alle fünf Jahre einen Nationalen Bericht über die Situation der Jugend in Luxemburg an die Abgeordnetenkammer adressiert.
Damit die Jugendberichte auf der Grundlage wissenschaftlicher Befunde entstehen, beauftragt das Ministerium für Kindheit und Jugend (MENJE) Forschende der Universität Luxemburg mit der Erstellung. Nach mehrjähriger Forschungszeit übergeben die Forschenden den Bericht an das Ministerium.
So identifiziert der Jugendbericht Problemstellungen und regt neue Handlungsansätze an. Der Jugendbericht ist damit eine Informations- und Diskussionsgrundlage für Politik, Fachpraxis und Wissenschaft. Er bietet eine systematische Aufbereitung des verfügbaren Wissens über die Lebenssituation von Jugendlichen in Luxemburg.
Die luxemburgischen Jugendberichte: eine Erfolgsgeschichte hochkarätiger Jugendforschung
Jugendforschende der Universität Luxemburg haben bislang bereits drei Jugendberichte verfasst.
2010 erschien der erste Nationale Bericht zur Situation der Jugendlichen in Luxemburg, der eine umfassende Darstellung der Lebenssituationen, der Alltagskontexte und Problemlagen von Jugendlichen in Luxemburg bot.
Der zweite Jugendbericht von 2015 beschäftigte sich explizit mit den Übergängen vom Jugend- ins Erwachsenenalter und nahm hierbei verschiedene Lebensbereiche in den Blick, etwa den Einstieg ins Berufsleben oder die Loslösung vom Elternhaus.
Der dritte Jugendbericht 2020 setzte sich mit dem Wohlbefinden und der Gesundheit von Jugendlichen auseinander und legte erfolgreiche Grundlagen, um die Folgen der COVID-19-Pandemie für junge Menschen nachhaltig weiter zu erforschen.
Der Jugendbericht 2025 knüpft an diese Tradition an – und entwickelt sie weiter, indem er Jugend konsequent im Spannungsfeld von Online- und Offline-Welten betrachtet und erstmals als Gesamtbericht auch in französischer Sprache zur Verfügung steht.
Ansprechpartner·in

Hannes Käckmeister
Dr. Hannes Käckmeister ist als Research Scientist im Zentrum für Kindheits- und Jugendforschung (CCY) der Universität Luxemburg tätig. Dort ist er Projektmitarbeiter und Ansprechpartner für den Jugendbericht 2025, für das Youth Wiki und für das European Knowledge Centre on Youth Policy (EKCYP).


























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